"Stadtwerke liegen bei Regionalnachweisen klar im Vorteil"

Unna (energate) - Seit mehreren Monaten ist das neue Regionalnachweisregister (RNR) in Betrieb. Bisher scheuen noch viele Stadtwerke den Aufwand.

energate sprach mit Vera Schürmann, Geschäftsführerin der Arcanum Energy Solutions GmbH, Expertin
für digitale Handels- und Nachweissystemen, über den neuen Vertriebsansatz:


energate: Bisher wird die zuständige Behörde, das Umweltbundesamt nicht gerade von Anmeldungen überrannt. Warum raten Sie zu einem Engagement?

Schürmann: Wir sind überzeugt, dass Stadtwerke mit nachweislich regional erzeugtem Strom auf starkes Interesse stoßen, dennlaut Befragungen steht bei den Anforderungskriterien für Ökostrom "Regionalität" ganz weit oben auf der Liste. Viele Stadtwerke positionieren sich ohnehin regional und haben in EEG-Anlagen vor Ort investiert. Da ist es ganz besonders attraktiv, seine Kunden nachweislich genau aus diesen Anlagen zu versorgen. Abgesehen von den eigenen EEG-Anlagen liegen Stadtwerke bei der Beschaffung
der Regionalnachweise deutlich im Vorteil. Durch den vom Regionalnachweisregister vorgegebenen 50 Kilometer-Radius ist die Ansprache von Anlagenbetreibern durch den Versorger vor Ort wesentlich
einfacher. Und sobald ein Stadtwerk die wichtigen Anlagen für sich unter Vertrag hat, haben Wettbewerber keine Chance mehr, ein vergleichbares Produkt anzubieten. Mittlerweile bieten Dienstleister, wie auch wir, die Abwicklung des Nachweisregisters an.


energate: Die Marktprämie sinkt bei der Nutzung um 0,10 Cent/kWh. Lässt sich trotzdem ein tariflich gutes Produkt gestalten und wie passt dieses in die normale Tarifwelt eines Versorgers?

Schürmann: Natürlich muss man in der Kalkulation die 0,1 Cent/kWh für die Verringerung der Marktprämie berücksichtigen. Dabei verstehen sich die Kosten anteilig, also nur für den Anteil, der tatsächlich als regional ausgewiesen wird. Die Kosten für die Registernutzung selbst liegen je nach Menge bei circa 0,0015 Cent/kWh. Die preisliche Integration in die vorhandenen Tarife ist individuell zu bewerten und abhängig davon, welches Vertriebsziel mit dem neuen Produkt erreicht werden soll, wie Rückgewinnung, Kundenbindung oder Neukundenakquise. Tarifeigenschaften, wie Laufzeit, Preisgarantie und Abschlussbonus beeinflussen zudem die Kalkulation.


energate: Muss sich das Marketing beziehungsweise der Vertrieb für ein Regionalstromprodukt ändern?

Schürmann: Wir verstehen das nicht als ein Muss, sondern als Chance, denn bei der Vermarktung kann ein Stadtwerk sein Image als Versorger vor Ort nutzen und verbessern, was bundesweiten Discountern in der Form gar nicht möglich ist. Zudem bietet es sich an, das Angebot mit anderen lokalen Themen zu verknüpfen, zum Beispiel mit Umweltschutzaktivitäten vor Ort, Stichwort "Bienenstrom". Eine Kombination mit regional erzeugtem KWK-Strom kann das Thema Regionalität noch weiter nach vorne bringen. Speziell für Quartiersversorgungen halten wir die Belieferung mit lokal erzeugter Wärme und regional erzeugtem Strom als ökologisches Gesamtpaket besonders geeignet.


Die Fragen stelle Michaela Tix, energate-Redaktion, Essen.

Das Interview mit Frau Vera Schürmann von Arcanum Energy Solutions erschien am 17.06.2019 im energate messenger


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